Kupferdiebstahl ist äußerst lukrativ. Händler kennen die illegalen Praktiken, aber sie sprechen lieber nicht darüber. Die Angst vor Repressalien ist groß.
VENLO/ROERMOND – JOCHEM RIETJENS
Limburg steht diese Woche gleich zweimal wegen Kupferdiebstählen in den Nachrichten. In Maasbree wurden zehntausende Kilo aus einer Lagerhalle gestohlen, und im belgischen Ophoven wurden Limburger nach einem Kupferdiebstahl auf frischer Tat ertappt. Bei diesem letzten Diebstahl kam ein Einwohner aus Ospel tragisch ums Leben. Was macht den Diebstahl von Kupfer so attraktiv, wohin gelangt das Diebesgut, und warum schweigen die meisten Händler beharrlich, wenn es um die Welt des Kupferhandels geht?
Repressalien
„Die Marktsituation macht Diebstahl attraktiv“, sagt einer der wenigen Limburger Händler, die der Zeitung – wenn auch anonym – Auskunft geben wollen. Der 52-jährige Besitzer eines Metallrecyclingunternehmens hat nämlich keinerlei Interesse an möglichen Vergeltungsaktionen aus der Branche. Gleiches gilt für einen 68-jährigen Unternehmerkollegen aus der Provinz. „Ein unbedachtes Wort, und die Hehler stehen vor deiner Tür, um abzurechnen.“
Handentmanteltes Kupfer – also Kupfer, das von allen Kunststoffummantelungen befreit wurde – bringt derzeit 7 Euro pro Kilo. „150 Kilo haben einen Wert von 1.050 Euro“, sagt der Firmeninhaber.
150 Kilo
150 Kilo sind genau die Menge Kupfer, die die belgische Polizei in einem gesunkenen Motorboot im Yachthafen De Spaenjerd in Kinrooi, direkt hinter der Grenze bei Stramproy, gefunden hat. Das Kupfer wurde am Montag bei der Bergung des Bootes entdeckt, das am Sonntagabend gesunken war. An Bord des Bootes befanden sich drei Männer aus Limburg. Zwei Schiffbrüchige wurden aus dem Wasser gezogen und mit Unterkühlungserscheinungen ins Krankenhaus gebracht. Der dritte Mann war ertrunken und wurde am Montagnachmittag gefunden. Es handelt sich um einen 43-jährigen Mann aus Ospel.
Festgenommen
Nach dem Fund des Kupfers wurden die beiden Überlebenden – ein 29-jähriger Mann aus Heythuysen und ein 40-jähriger Mann aus Montfort – von der belgischen Polizei wegen Verdachts auf Kupferdiebstahl und Bandenbildung festgenommen.
„Für 300 Euro pro Mann riskierst du also dein Leben“, sagt der Metallhändler. Das gestohlene Kupfer stammt von einem Baggerboot in einem Baggersee bei Ophoven. Es handelt sich um eine kleine Menge im Vergleich zu dem großen Kupferdiebstahl aus einer Lagerhalle in Maasbree. Dort haben Diebe zehntausende Kilo Kabel des Energieversorgers Enexis entwendet. Der Wert beträgt rund 350.000 Euro. Der Diebstahl wurde von einem Team des Privatdetektivs John Vullers entdeckt. Er wurde eingeschaltet, nachdem der Verdacht aufgekommen war, dass aus der Halle Kupfer entwendet wurde.
„Der Wert ist so hoch wegen der Knappheit“, sagt der Besitzer des Metallrecyclingunternehmens. „Kürzlich wurde eine Kupfermine in Indonesien geschlossen. Sie war für 5 Prozent des Welthandels verantwortlich.“ Auch die Einfuhrzölle des amerikanischen Präsidenten Donald Trump spielten seiner Meinung nach eine Rolle. „Amerikanische Firmen sahen Gegenmaßnahmen voraus und haben daher noch vor Inkrafttreten der Zölle in großem Umfang Kupfer zu niedrigeren Preisen eingekauft.“
Ausland
Die Frage ist, wohin die Kupferdiebe ihr Diebesgut bringen. „Wahrscheinlich verschwindet es ins Ausland“, sagt Paul Vermeij, Sprecher des Metallrecyclingverbands MRF. Der Branchenverband zählt 120 Mitglieder mit insgesamt 150 Betriebsstandorten.
Außerdem sind in den Niederlanden über 600 Unternehmer im Schrotthandel aktiv. „Der MRF hat eine Meldestelle für Privatpersonen und Unternehmen, die Opfer von Metalldiebstahl geworden sind. Von dort aus warnen wir sofort unsere Mitglieder.“ Auf diese Weise versucht der Verband, den Handel mit gestohlener Ware – wie Kupfer – einzudämmen. „Mitglieder, die über die Stränge schlagen, riskieren einen Ausschluss, was bedeuten kann, dass sie in unserer Branche vollständig isoliert werden.“
Registrierungspflicht
„Es ist sehr schwierig, gestohlenes Kupfer in den Niederlanden zu verkaufen“, sagt der 52-jährige Unternehmer. Seit 2012 gilt nämlich eine strenge Registrierungspflicht, die eingeführt wurde, um Kupferdiebstahl zu bekämpfen. „Wir müssen es wiegen, registrieren, die Herkunft dokumentieren, die Personalien des Verkäufers aufnehmen und so weiter.“ Wenn er den Verdacht hat, dass ein Privatverkäufer gestohlenes Kupfer anbietet, lehnt er den Ankauf ab. „Viel zu riskant, für die paar Euro, die ich letztlich daran verdienen würde.“
Verdacht entsteht, wenn ein Verkäufer beispielsweise mit 200 Kilo handentmanteltem Kupfer auftaucht. „Oder wenn jemand bereit ist, sich mit einem Preis von 4 Euro pro Kilo zufriedenzugeben“, sagt sein Kollege. „Wenn man weiß, was Kupfer wert ist, versteht man, warum ein solcher Verkäufer es unbedingt schnell loswerden will.“
Sozialhilfe
„Unternehmer in der Branche müssen ihre Ware im Digitalen Ankaufsregister (DOR) eintragen“, sagt ein Polizeisprecher. „Alles ist bis ins Detail beschrieben.“ Bei Kontrollen kann die Polizei das Register einsehen und überprüfen, ob der Warenbestand eines Unternehmens mit den Angaben im Register übereinstimmt.
Die beiden Händler glauben – wie der Sprecher des Branchenverbands – dass ein großer Teil des in den Niederlanden gestohlenen Kupfers im Ausland landet. „Oft direkt, aber zweifellos auch über die kleinen ‚Schacherer‘, die bei der Gemeinde Sozialhilfe beziehen und gleichzeitig mit ihrem Altmetallhandel kräftig verdienen“, sagt der 68-Jährige. „Jetzt wissen Sie genau, warum wir nicht mit Namen in der Zeitung stehen wollen“, ergänzt der andere abschließend.



